Das Pesterwitzer Gräberfeld

Gräberfeld

Vorläufiger Bericht aus der heimatgeschichtlichen Sammlung in Pesterwitz.

Mit dem Namen Pesterwitz konnte die Geschichtsforschung bisher nur Urkunden und Altertümer in Verbindung bringen, deren Ursprung nicht über das Mittelalter zurückging. Man wusste, dass der Ortsname, von der altslavischen Sprachwurzel bystru (die „rasch, reißend“ bedeutet) hergeleitet, gleichen Stammes wie die Bezeichnung des Flüsschens Weißeritz ist; man kannte die Urkunde vom Jahre 1068 nach Christi Geburt, laut welcher Kaiser Heinrich IV. zwei königliche Hufen Landes in burchunardo Bvistrizi dem Altar des heiligen Donatus in Meißen schenkte, und vom Burgwartsberge nahe bei Pesterwitz bieb neben den kümmerlichen Resten der Warte und der von der Braupfanne voll Gold in seinem Inneren als nachweisbar richtig nur der Streit um die kurz vor 1206 wieder rechtlich auf ihm vom Burggrafen von Dohna erbaute Burg Thorun übrig.

Auch die ältesten Funde im Gebiete des Dorfes und des Berges – sie sind wohl sämtlich in der Heimatgeschichtlichen Sammlung vereinigt – sind nicht älter als die so genannte Kolonisationszeit, die Burgwartsperiode, also aus dem 10. und 11. nachchristlichen Jahrhundert. Naturkundliche Altertümer, freilich nicht von Menschenhänden gemacht, nämlich Abdrücke von Pflanzen und Tieren, die vor unmessbaren Jahrtausenden in unsrer Gegend lebendig waren, z.B. Annularien und andere Schachtelhalme, Calamiten, Farren, auch das Stück eines versteinerten Hirschgeweihes, sind auch in und um Pesterwitz, und gerade auf dem Urnenfelde gefunden worden. Viele sind in demselben kleinen Museum wie in der schönen Otto Langerschen Sammlung aufbewahrt.
Unser zeitlich beschränkter Blick in die Vergangenheit konnte aber nicht mit einem Male ganz erheblich weiter zurückreichen, als es im vorigen Jahre gelang, einen lange und vergeblich gesuchten Ort zu entdecken: eine vorchristliche Begräbnisstätte der alten Pesterwitzer. Den Verdienst diese Stelle aufgespürt zu haben, gebührt einem noch jugendlichen, aber geschichtlich sehr interessierten Einwohner des Ortes, dem Formerlehrling Otto Rönsch. Nachdem schon im Frühjahr 1931 auf dem am meisten westlich gelegenen Felde des Rittergutes herumliegende alte Gefäßscherben die Aufmerksamkeit des Finders erregt hatten, Stücke, welche Herr O. Langer sofort als sehr alt erkannte, konnten am 8. August sowie an den folgenden Tagen, nachdem der dort stehende Weizenschlag abgeerntet war, an verschiednen Stellen in geringer Tiefe größere Mengen solcher Überreste verschiedenartigen Aussehens festgestellt werden, und Sonntag, den 20. September stieß Her Langer auf das erste Brandgrab, ein Doppelgrab. Der eifrig mit am Suchen beteiligte stud. rer. nat. Hans Petzsch entdeckte in den Trümmern der von den Umfassungssteinen zerdrückten Gefäße den oberen Teil einer gravierten bronzenen Gewandnadel mit grüner Patina. Denselben glücklichen Finder führte seine historische Witterung am 24. September an die von der Erde gleichmäßig verdeckte Stelle eines 2. Grabes, aus welchm er ein völlig erhaltenes Beigefäß, das im Inneren einer vom Pflug zerstörten Urne mit Leichenbrand stand – welches das Gräberfeld hergegeben hat – hervorziehen konnte.

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