1206

Burgwartsberg 2006

Burgwartsberg 2006

Grenzstreitigkeiten am Burgwartsberg …

Der Ort dieser Auseinandersetzung liegt südöstlich von Pesterwitz und nördlich von Potschappel. Das Streitobjekt ist der Burgwartsberg.
Er liegt inmitten der Großen Kreisstadt Freital vor den Toren Dresdens.
Unter heutigen Verhältnissen würden sich die Parteien bei solchen Grenzstreitigkeiten an das Grundbuchamt in Dippoldiswalde und an eine Landvermessungsinstitution wenden.
Und die Lösung wäre eine trigonometrische Vermessung, um die Grenze zu bestätigen oder zu korrigieren.

Etwas anders liegt es mit den Grenzstreitigkeiten am Burgwartsberg und dazu müssen wir geschichtlich weit zurück blicken.

Im Jahre 929 erbaute König Heinrich I. die Burg Meißen. Sein Nachfolger Otto I. nahm das umliegende Land in Besitz und gründete die Mark Meißen.
Es ergaben sich territorial neue Eigentumsverhältnisse.

Die Mark Meißen bestand aus den Gauen Glomaci und Nisani, die inmitten eines beinahe undurchdringlichen Waldes mit dem Namen Miriquidi lagen.
Jeder Gau besaß kleinere Burgwardbezirke. Deren Aufgabe es war: die Gebiete zu verwalten, den „Zehnten“einzutreiben, die Christianisierung voranzubringen und die militärische Absicherung nach dem Osten zu garantieren.

Im Gau Nisani kennt die Heimatgeschichtsforschung drei urkundlich bezeugte königliche Burgwarde.
Uns bekannte Burgwarde befanden sich in Woz (Wartha) und Bresnice (Briesnitz). Nach einer Urkunde vom 28. Oktober 1068, verwahrt im Hauptstaatsarchiv in Dresden, existiert noch der Burgward Bvistrizi.

Dieser Name Bvistrizi aus der Urkunde Heinrich IV. (1056 – 1106) ist wahrscheinlich sorbischen Ursprungs (Bystru – sorbisch: wild, reißend) und dem Fluss Weißeritz und dem Burgward zugeordnet.
Nehmen wir an, auf dem Burgwartsberg in Pesterwitz stand zu Beginn des 11. Jahrhunderts (1068) die Burgwarde Bvistrizi. Sie stand mit den anderen Besitzstücken innerhalb der Grenzen der Meißner Kirche.
Die Grenze bildeten die Flüsse Wiederitz und Weißeritz. Die Zuchewidre, wahrscheinlich die Wiederitz, von der Quelle bis zur Mündung in die Weißeritz und von dort bis zur Mündung der Weißeritz in die Elbe.

So weit so gut.
Was war nach der Zeit des Burgwards Bvistrizi bis zu dem Satzbeginn der Urkunde:….“Acta sunt hec Dresdene anno ab incarnatione domini MCCVI ….“ (Geschehen ist dies in Dresden im Jahr 1206) und der vorangegangenen Inspektion durch die Gesandten, den edlen Herren Burggraf Erkenbert von Döben und Erkenbold von Greißlau, die den Burgwartsberg in dieser Zeit vor der Urkundenniederschrift besichtigten, geschehen?
Der Burgward hatte seine Aufgabe erfüllt und die sicherlich hölzerne Befestigung mit Kapelle verfiel. Knapp 140 Jahre vergingen und niemand beobachtete, was der Burggraf Heinrich II. von Dohna heimlich und widerrechtlich auf dem Burgwartsberg bei Pesterwitz bauen ließ.

Er errichtete nachweislich auf dem Burgwartsberg die Burg Thorun.
Der Name Thorun kann eine Übertragung aus der Zeit und dem Gebiet der Kreuzzüge sein, da der Burggraf Heinrich der II. von Dohna 1197/98 am Kreuzzug teilgenommen haben soll.

Die Burg Thorun steht auf bischöflichem Gebiet und musste abgerissen werden. Dieser Schiedsspruch, am 31. März 1206 in Dresden verkündet, nennt 77 beteiligte Personen. 52 Personen, darunter 18 Geistliche, sollen aus diesem Kreis Zeugen gewesen sein.
Beteiligte aus unserem Gebiet waren Berthold und Dietrich von Potschappel (Potshapel), Reinhold von (Reinhardts-)Grimma (Grimme) und dessen Bruder Hugo, Arnold von Döhlen (Dolen), Burchard von Kaitz (Kiz), Hermann von Wurgwitz (Worganewiz), Hildebrand von Gompitz (Gonpitz), Johann von Plauen (Plawen).

Jetzt wird es auch verständlich, warum in Freital und seinen Ortsteilen im Jahre 2006 so viele Feierlichkeiten stattfinden.
Übrigens wird auch mit dieser Urkunde, die einen Grenzstreit mit dem Burgwartsberg in Pesterwitz zum Inhalt hat, die erste dokumentarische Erwähnung von Dresden begründet.

Eberhard Kammer
Pesterwitz

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